Ama now
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Sie oder ich?
Man weiß nicht, wer ist die sogenannte "geistig Behinderte" von uns beiden - meine "Klientin" oder ich selbst - nicht wahr?
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Schreck lass nach...
... ein Stöckchen, o Graus!
1. Eine Sache die du heute tust, von der du mit 16 nie gedacht hättest dass du sie jemals tun würdest?
Beerdigungen
2.Das letzte, was du gekauft hast, ohne dass es irgendeinen Sinn gehabt hätte:
Pumaturnschuhe - teuer und wunderbar, aber sofort vom Gepäckträger verloren, den einen zumindest
3.Einen Spitznamen von dir, den heute niemand mehr verwendet/kennt:
hatte nie einen
4.Ein großes Ziel in deinem Leben, das du noch erreichen willst:
... äh... ich bin echt schlecht im Planen
5.Den größten Unsinn, den du als Kind gebaut hast:
Endlose Liste. Ich gehe aus pädagogischen Gründen lieber nicht ins Detail.
6.Ein aus heutiger Sicht vielleicht peinliches Poster das du in deinem Zimmer hängen hattest:
Peinlich, aber ich hatte tatsächlich auch niemals Poster an der Wand
7.Dein größter “Medienauftritt” (Fernsehen, Zeitung, Radio etc.):
Als Kind in der Zeitung: als Kinderschützenkönigin, als "junge Pilotin", mit diversen sportlichen Leistungen etc., später Portraits/Report. aus untersch. Gründen im Lokalblatt, sogar schon im Beiheft der Hörzu ("schlaue Hausfinanzierung" oder so), im Fernsehen in 'ner Doku mit Interview, Thema Meditation usw., boah, wollt ihr Autogramme?
8.Vereine in denen du als Kind Mitglied warst:
keine, sowas gab's hier nicht
9.Dein aktueller Lieblingswitz:
Ich bin die Witze-nicht-Versteherin und -Vergesserin vom Dienst, aber hab' meinen Jüngsten nach einem geeigneten Lieblingswitz gefragt, er empfiehlt mir:
Was sagt der Sturm zur Palme? "Halt deine Nüsse fest, ich blas dir einen."
10.Woher du die Person, von der du dieses Stöckchen bekommen hast, kennst:
von hier.
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Wanderschuh
- erstens -
Ich mache eine Fahrradtour am Kanal entlang. Dabei verliere ich meinen Lieblingsschuh vom Gepäckträger.
- zweitens -
Zwei Wochen später fahre ich den selben Weg. Jugendliche mit Hund gröhlen und scherzen: "Die sucht ihren Schuh!" Mein Schuh fällt mir ein: "Ja, tatsächlich." Sie lachen und gröhlen noch lauter. Wir halten unseren kurzen Dialog beidseitig für einen Witz.
Sie hätten 'nen alten Schuh gerade für den Hund zum Apportieren ins Wasser geschmissen, aber der Hund sei zu faul. Ich nicht. Mitten im Oktober und vor fremden Jugendlichen entledige ich mich meiner Hose und stapfe ins eiskalte Kanalwasser: Schuhrettungsaktion. Er schwimmt nahe am Ufer - tatsächlich, er ist's!
- drittens -
Zu Hause suche ich den anderen Schuh, den ich im Schuhschrank untergebracht hatte, hatte auf ein Wunder gehofft, das nun wirlich eingetroffen ist. Ich finde ihn nicht, frage den Gatten.
"Ich hab' aufgeräumt. Hab' ihn in die Mülltonne geschmissen. Was soll ein einzelner Schuh?"
Ich stürze los zur Mülltonne. Er bremst mich: "Nee, war schon letzte Woche, ist schon abgefahren worden."
Na gut, wie gewonnen, so zeronnen. Ich werfe den zweiten Schuh auch in die Tonne, ganz oben drauf, der Deckel geht knapp zu.
- viertens -
Nächster Tag, Entrümpelungsaktion bei einer Klientin. Fahre mit dem Unternehmer zur Mülldeponie zum Entladen seines Kelintransporters.
Was liegt dort oben auf der Müllhalde direkt vor meinen Füßen, unversehrt und sauber? Ein Schuh! Sieht genaus aus wie meiner. Ich hebe ihn auf. Er ist's!
- fünftens -
Wieder zu Hause führt mein erster Weg natürlich direkt zur Mülltonne. Der andere Schuh liegt ja oben drauf, kein Problem. Deckel hoch... - Tonne leer. Heute war die Müllabfuhr da.
Seufzer.
Ich lasse den Schuh in die leere Tonne fallen. Poltert ziemlich laut.
- sechstens -
Ich bin gespannt, wann ich einen von den Jungs das nächste Mal wiedertreffe.
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Back home
Wieder zu Hause finde ich das Haus voller Gäste vor. Freunde sind da und Freunde von Freunden. Alle kenne ich nicht. Zum Beispiel die vier Kinder, die da herumsausen:
"Sind das deine?" frage ich einen Freundesfreund.
"Ja, ein Teil davon."
"Wer gehört denn zu dir?"
"Alle. Die anderen vier sind bei der Mutter."
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Herberge
Die Unterkunft ist günstig, das Essen ist zünftig. Den Tisch und das Abendessen teile ich mir mit zwei weiteren Gästen, einem älteren Herrn zu meiner Linken und einer noch älteren Dame zu meiner Rechten. Die Aufschnittplatte ist schon halb geleert, bevor ich mich entschieden habe, welche Brotsorte ich wähle.
"Oh bitte", schmatzt der Herr zu meiner Linken, "entschuldigen Sie, ich habe heute gar nichts zu Mittag gegessen. Darf ich vielleicht noch eine Kleinigkeit nehmen?" Der Arme duckt sich vor lauter Verlegenheit und Unterwürfigkeit am Tisch.
"Aber bitte", ruft die alte Damen zu meiner rechten freundlich und schiebt die Aufschnittplatte an mir vorbei zu ihm hin. "Greifen Sie nur zu!"
"Hups, jetzt habe ich den gesamten Parmaschinken erwischt, Entschuldigung." Der ältere Herr duckt sich noch ein bisschen tiefer hinunter, aber zum Essen muss er sich wieder ziemlich gerade aufrichten, damit die Gabel in seinen Mund passt.
Ich esse schon mal ein wenig Salat.
"Nehmen Sie doch diesen Käse, er sieht hervorragend aus!" ermuntert ihn die Greisin.
"Oh, danke, danke!" sagt der alte Herr unterwürfig und schnappt sich den guten Käse, und dann während er noch einmal zugreift, erklärt er noch einmal entschuldigend, dass er tatsächlich gar nichts zu Mittag gegessen habe.
Es liegen nur noch vier dicke, ecklige, fettige Blutwurstscheiben auf der Platte, die wirklich niemand haben will, nicht einmal der Herr zu meiner Linken, der ganz und gar ohne Mittagessen an diesen Tag überleben musste.
"Nehmen Sie die doch bitte", fordert ihn die greise Dame freundlich auf.
"Oh, neinneinnein, danke, nein nein. Wirklich nicht, dankedanke."
"Solche Wurst muss man mit Senf essen, sonst schmeckt sie nicht" weiß die Greisin.
"... äh... ja, äh...", der ältere Herr sinkt vorsichtshalber wieder etwas mehr in sich zusammen.
"Senf haben sie hier nicht", stellt die alte Dame fest.
"Nein!" ruft der Herr, und es klingt ziemlich erleichtert, "nein, Senf haben sie hier nicht! Nein, das stimmt, Senf gibt es hier nicht, den haben sie nicht!" Plötzlich wirkt er sehr aufrecht und breitschultrig.
Die Greisin lächelt verschmitzt und greift nach ihrem Handtäschchen. "Was meinen Sie?" meint sie und fängt an, in ihrem Täschchen zu wühlen, "was meinen Sie, was ich hier habe?" Triumphierend zieht sie ein Tütchen zwischen den Taschentüchern hervor, ein paar Fusseln sind dran.
"Senf!"
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Ferien
bis zum 24. Oktober in Innsbruck wo's Berge gibt. Das wird schwierig! Weil mir immer schwindelig wird, wenn der Horizont schief ist. Das ist sogar gefährlich! Denn wenn ich unwillkürlich versuche, meinen Körper senkrecht zum Horizont auszurichten, wie es sich gehört, dann gerate ich leicht ins Schwanken und ins Stolpern. Ihr im Süden, wie macht ihr das, dass ihr so unbeschwert lebt mit all den unordentlichen Horizonten? Überlebenstipps erbeten!
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Erkannt
Immer bin ich sorgfältig bemüht, ganz normal durch's Leben zu gehen, ganz unauffällig, und nur anzuecken, wenn es unbedingt nötig ist. Leider ist es oft nötig. Aber sonst gebe ich mir viel Mühe mit der Normalität und Unauffälligkeit - schon seit Jahren! Genau gesagt, seit ich weiß, dass meine Kinder als höchstes Alltagsglück ansehen, ein Wohnzimmer zu besitzen samt Couchecke mit Sofas und Sesseln, alles zusammen passend, in gleichen Muster, gleichem Schnitt und gleichem Plüschbezug, dazu einen runden Couchtisch mit Glasplatte und ein Flachbildfernseher.
Seit mich meine Kinder - zu ihren Pubertätszeiten - jeweils unter vier Augen und eindringlich gebeten haben, mir doch bitte nicht sofort anmerken zu lassen, dass ich nicht ganz normal sei, sogar ziemlich sehr nicht ganz normal, übe ich mich darin, wenigstens nach außen hin normal zu erscheinen. Ich gehe weder barfuß noch mit Rollschuhen ins Nachbardorf zum Einkaufen - jedenfalls nicht immer. Ich ziehe mir etwas an, wenn ich im Gemüsegarten arbeite. Ich esse nur heimlich gebratenes Gemüse und Heringsfilets zum Frühstück. Wenn ich in meinem Kleinen Schwarzen an der Hauswand hochklettere bis auf den Balkon im ersten Stock, dann immer nur von der Rückseite des Hauses aus, so dass man mich von der Straße aus nicht sehen kann. Und so weiter - stets so normal wie möglich.
Darum empfindliche ich es immer als Niederlange, wenn ich mich ertappt fühle. Wie heute in der Stadt: Eine strahlende Werbedame kam auf mich zu und fragte: "Möchten Sie auch einen?"
Nein ich wollte keinen Wasauchimmer, aber da die Dame so freundlich lächelte, blieb ich stehen um eben so freundlich zurückzulächeln. Im gleichen Augenblick hatte ich einen gelben Pappschein in der Hand. Ratlos schaute ich drauf.
"Ein Gutschein!" rief die Dame triumphierend. "Sie können Filme und DVDs zum halben Preis kaufen!" Ich hatte wohl etwas zu wenig Begeisterung und zu viel Ratlosigkeit um die Nase. Schon schöpfte die Dame Verdacht. Der größte Teil ihres strahlenden Lächelns verschwand aus ihrem Gesicht. "Sie mögen doch Filme?" fragte sie mit deutlich weniger Elan.
Ich wand mich ein wenig auf der Suche nach einer Antwort, die einer normalen, unauffälligen Familienmutter gebührt. Offenbar hatte ich zu lange überlegt. Schon antwortete sie für mich: "Natürlich! Jeder mag Filme!" Sie gab nicht auf und wollte mich unbedingt mit ihrer Begeisterung in Schwung bringen: "Was haben Sie zum Beispiel für ihre letzten Filme bezahlt? Welche Filme haben Sie zuletzt gekauft?"
"Also ehrlich gesagt habe ich mir noch nie ein Video gekauft und auch niemals eine DVD. Ich habe gar keinen Fernseher."
Die Dame starrte mich an, als wäre ich direkt vom Mars eingeflogen um ausgerechnet auf sie zu stoßen und sie zu verwirren, die Ärmste.
Sie schnappte nach Luft. Ihr Lächeln war nun vollkommen verschwunden. Sie riss mir den gelben Pappschein aus der Hand und wandte sich ab: "Dann brauchen Sie den nicht."
Ich bin erkannt. Mal wieder.
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