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komfortabel eigentlich
7.4.06 09:12


November


Kalt ist's, nass ist's, und die Sonne schickt höchstens noch einen einzigen Strahl vom Himmel, und das nur zur Mittagszeit. Ich schlendere durch das Städtchen, und wo ich immer unter einem lauschigen Straßenbäumchen mein Käffchen getrunken habe, stehen die Stühle jetzt übereinanderstapelt und angekettet. Nur ein einsamer Stuhl ist übrig geblieben, zwar angegettet am Tischchen, aber nicht gestapelt. Er setzt schon Moos an, so schnell vergessen die Möbel und die Mittage den Sommer!

Ich aber vergesse ihn nicht so schnell!

Die Sonne schickt den einzigen Strahl des Tages genau auf diesen vergessenen, moosigen Stuhl, und ich, mit der Sturheit der heidjerischen Landbevölkerung in den Genen, nehme dort Platz. Man muss nur dezent zu provozieren wissen, dann hat man die nötige Aufmerksamkeit sofort - auch wenn man sich im Abseits befindet.

Schon steht der junge Kellner vor mir - hat sogar die längst wartenden Gäste im Lokal im Stich gelassen.

"Unser Café ist hier draußen geschlossen. Wenn Sie bitte hineingehen möchten ins Lokal...."

"Nein danke, ich hätte gern einen Latte Macchiato hier draußen."

"Aber ..."

"Bitte..."

Es dauert nicht lange und mein Latte Macchiato dampft vor mir, inmitten des einzigen Sonnenstrahls des Tages. Ich genieße müßig, halbschläfrigentspanntträumerisch die Bilder der Stadt. Ein alter Herr in schwarzem Novembermantel und Hut kommt von dort drüben, und neben ihm trottet ein Hund, der sieht genau so aus, wie ich mir Frau Moll vorstelle.

Habe ich recht gehört, du fragst, wer Frau Moll sei? Tu nicht so, als kenntest du Frau Moll nicht! Frau Moll kennt jeder, die ist bekannt wie ein bunter Hund.

Von der anderen Seite ist ganz plötzlich eine alte Dame im Blickfeld, hager und fix wie ein Wiesel. Zielstrebig steuert sie auf den Novembermantel zu.

"Entschuldigen Sie, der Herr, können Sie mir sagen, wie spät es ist?"

Der Herr hält inne in seinem nächsten Schritt, den er gerade geplant hat. "Aber gewiss doch die Dame!" Er schiebt seinen Hut mit einer gekonnten Geste etwas aus der Stirn und strahlende Augen kommen hervor, die zwinkern und blinzeln lebhaft. Die Dame lächelt zurück. So stehen sie eine Weile beieinander und lächeln sich glücklich in die faltigen Gesichter.

"Das ist sehr freundlich von Ihnen, vielen Dank", sagt die Dame schließlich und geht weiter mit einem sehr zufrieden Ausdruck im Gesicht.

Der Herr lupft seinen Hut und deutet eine Verbeugung an, der davonwieselnden Dame hinterher. Und setzt seinen Weg fort, zufrieden, Schritt für Schritt.

Nur der Hund, der aussieht, wie ich mir Frau Moll vorstelle, spielt gar keine Rolle in dieser Geschichte, und das sieht ihm überhaupt nicht ähnlich.
13.11.05 13:58








Willi, der Zeitungsmann, hat seine Oma "ausm Altersheim getan".
"Weißte, die kneift immer no dolle. Alle Schwestern haben schon blaue Flecken überall. Da sind se gar nich mehr gut zu sprechen auf mir wegen die Oma. Ich hab se jetzt in' annern Altersheim getan. Wir haben ja noch ne Oma, weißte. Wir haben die beiden nu in ein Zimmer getan, is ein Abwasch."

Wenn mich mal einer irgendwohin tut, wenn ich alt bin, kann ich froh sein. Wahrscheinlich gibt es noch sehr viel Schlimmeres...


"Fast jeden Tag fährt einer hin und geht mit die beiden spazieren. Die kennen ja keinen mehr und reden können se auch nix richtiges. Ich sach immer: is gut Oma, ja hast recht Oma, is alles gut."


Wahrscheinlich haben die beiden sogar ausgesprochenes Glück.




24.03.05 09:30
14.4.05 20:48


Die Bäume sieben das Licht. Die Sonne bleibt wie ein zäher Brocken in den Zweigen hängen. Zu mir kommt nur der Schatten.
Der Zenit hängt in den Kniekehlen.
24.11.05 23:33


Ich hab den November gefunden


Die Sonne hockt wie ein Eichhörnchen in den Bäumen. Die Zweige sind schwarz. Das Licht hängt fest im Geäst. Der Wind weht über kahle Flächen und findet nichts. Ich suche mit und finde nichts als kahle Flächen und Frieren. Graue Wolken senken sich auf den Boden. Nur meine Füße schauen heraus.
Nicht einmal, wenn ich die Augen schließe, wird es hell.
24.11.05 23:04


Ama läuft Amok


Worüber ich mich schon immer beklagen wollte, das kommt jetzt auf den Tisch:

DAS Blog heißt es, DAS Blog, denn es heißt ja auch DAS Weblog, und Blog ist nun mal die Abkürzung. Wer auf sich hält, sagt also DAS Blog, und rümpft schon mal die Nase, wenn ihm ein Blog begegnet, DER sich um die neutrale Form nicht kümmert. Ich gehöre auch zu denen, die sich viel Mühe mit dem DAS geben.

Aber wie hört sich das an?

DAS BLOG beleidigt doch jedes Sprachgefühl! Wer kann sich gegen das Bild wehren, das sofort vor dem inneren Auge entsteht: Ein Block aus Texten, Blöcke aus Texten untereinander gereiht. Das Blog, gebloggt wie ein Textblock, das Textblock gebloggt wie der Blog, das Hirn blockiert aus lauter Mangel an Ästhetik und Überfluss aus sich überschneidenden und widersprechenden Assoziationen.

Das Web-Log abzukürzen als "Blog" ist eine Sprachverunstaltung, die eigentlich zum Himmel schreit. Dagegen, im Englischen "weblog" als "blog" abzukürzen, ist witzig, ein kreatives Wortspiel. Daraus aber nun grammatische Folgerichtigkeit bei Übersetzungsversuchen ins Deutsche einfordern zu wollen, halte ich für steif, bürokratisch, grotesk und unsinnig. Ein weiteres kleines Krebsgeschwür in unserer Sprache.
1.12.05 10:47


Himmelblau, Pferdeweide, Ford Combi, Kalender



"Ich weiß nichts mehr zu schreiben, ich schließe mein Weblog."

"Nein! Schreib doch irgendwas! Schreib was, worin die Worte 'himmelblau', 'Pferdeweide', 'Ford Combi' und 'Kalender' vorkommen."

"Ach du lieber Himmel! Blau bist du schon wieder und liegst hier zwischen den Pferdeäppeln auf der Pferdeweide rum! Fort! Kombinationen aus Besoffenen und Pferdescheiße kommen auf meinem Termin-Kalender für den heutigen Tag nicht vor!"
19.11.05 13:33


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